Dieter Riechmann
Dieter Riechmann war mein erster Brieffreund. Ich habe ihm das erste mal im Juni 2007 geschrieben und wir verstehen uns wirklich wunderbar.
Als Dieter Riechmann aus Hamburg zusammen mit seiner Freundin Kerstin Kischnick am 25. Oktober 1987 das kleine brasilianische Restaurant in Miami Beach verlässt, kann er nicht ahnen, dass dieser Tag der Beginn eines zwanzigjährigen Albtraums sein wird, dessen Ende noch nicht abzusehen ist.
Was in den späten achtziger, frühen neunziger Jahren zum grausamen Alltag für Touristen in Florida werden sollte, erleben Dieter und seine Freundin an diesem Abend. Auf der Suche nach ihrem Hotel verfahren sie sich. Sie halten mit ihrem Wagen in der Gegend Miamis an, die die höchste Kriminalitätsrate der Stadt aufweist. Doch das wissen sie zu diesem Zeitpunkt nicht.
In einer dunklen Straße wollen sie nach dem Weg fragen. Ein Schwarzer beugt sich zum geöffneten Fenster hinunter, ein Schuss fällt, Kerstin Kischnick sinkt - tödlich getroffen - auf dem Beifahrersitz zusammen, Dieter Riechmann tritt aufs Gas und rast davon. So erzählt er die Vorgänge den Polizisten, deren Wagen er kurze Zeit später anhält und genauso erzählt er die Geschichte auch heute noch, mehr als 20 Jahre später.
Doch sowohl damals als auch heute stand für Richter und Geschworene fest, dass nur Dieter der Täter sein kann, er wird zum Tode verurteilt. Neue Erkenntnisse jedoch scheinen Unglaublicherweise tatsächlich seine Unschuld zu beweisen.
Stuart James, spezialisiert auf Blutspurenanalysen und einer der renommiertesten Forensiker der USA, kann nachweisen, dass die Darstellung der Anklage über den tödlichen Schuss im Auto falsch ist. Die Staatsanwältin stellte die Situation so dar, dass Dieter Riechmann selber aus dem Auto ausgestiegen ist, um seine Freundin von der Beifahrerseite aus zu erschießen. Doch dabei unterliefen den Polizeispezialisten Fehler, die nur von einem Fachmann aufzudecken waren. Das Gutachten von Stuart James ist ein eindrucksvoller Beleg für die vorsätzlichen Fehler bei den Polizeiermittlungen: eine wissenschaftliche Analyse der objektiven Tatumstände, chemische und physikalische Erkenntnisse, Tatort- und Rekonstruktionsfotos. Genauso äußert sich der renommierte Gerichtmediziner Prof. Wolfgang Bonte aus Düsseldorf: "Kein deutscher Rechtsmediziner haette sich gewagt mit diesem Material vor ein deutsches Gericht zu treten."
Doch die Anklagevertreter gingen noch einen Schritt weiter: Mitte des Jahres 1997 meldete sich ein pensionierter Polizist des Miami Beach Police Department, der 1987 unter Sergeant Matthews an den Ermittlungen maßgeblich beteiligt war.
Dem Anwalt von Dieter Riechmann offenbarte Officer Hillard Veski, wie ihn die Staatsanwaltschaft und seine eigenen Kollegen 1988 zu einem Meineid gezwungen haben, und zwar in einem für die These der Anklage entscheidenden Punkt. Hillard Veski war in eine der zahlreichen Polizeiaffären in Miami verwickelt, beugte sich dem Druck und beging den Meineid. Als ihm die Tragweite seiner Falschaussage bewusst geworden war, teilte er dies kurze Zeit später dem leitenden Staatsanwalt di Gregori mit. Zum Beleg für seine Aussage legte der Polizist Kopien seiner damaligen Tatortaufzeichnungen vor. Doch der Staatsanwalt ließ dieses Material verschwinden. Die blutverschmierte Taschenlampe ist im Prozess als Beweisstück niemals aufgetaucht. Fotos vom Inhalt des Kofferraums, die die Version der Polizei bestätigen oder widerlegen würden, werden der Verteidigung bis heute vorenthalten.
Kevin di Gregori, musste 1996 zugeben, dass 1988 weiteres Entlastungsmaterial unterdrückt worden ist. Die Aussagen zweier ehemaliger Zellengenossen von Dieter Riechmann - angeblich soll er ihnen die Tat gestanden haben - sind mit einem erheblichen Straferlass für die Beiden "erkauft" worden. Im Prozess hatte die Staatsanwaltschaft jegliche Absprachen dieser Art vehement bestritten, heute liegt der Briefwechsel mit der Bitte um Haftverschonung vor, "...weil sie sich so sehr um das Wohl der Vereinigten Staaten verdient gemacht haben".
Der Kronzeuge der Anklage, Walter Smykowsky, wird heute von den amerikanischen Behörden wieder per Haftbefehl gesucht. In einem Interview und einer eidesstattlichen Versicherung erklärte er vor einigen Wochen, was ihm von der Staatsanwaltschaft für seine Aussage gegen Dieter Riechmann im Prozess 1988 versprochen worden ist: Freiheit und Geld. Alle seine Aussagen seien ihm von Staatsanwalt di Gregori in den Mund gelegt worden. "Er habe sie wiederholt wie ein Papagei, damit er aus dem Gefängnis raus käme."
Die Polizei in Miami hat sich zu keinem Zeitpunkt die Mühe gemacht, mögliche Zeugen für den Tathergang zu suchen. Sie hatten ja ihren Täter. Erst Jahre nach der Tat ist es gelungen, genau diese Zeugen zu finden. Wochenlang hat sich der Privatermittler Frank Clay im Auftrag des Berufungsanwalts von Dieter Riechmann in der Drogenszene rund um den Biscayne Boulevard herumgetrieben, bis er endlich Augenzeugen für die Vorgänge am 25.10.1987 gefunden hatte. Die Schilderung des Tathergangs deckt sich mit der von Dieter Riechmann.
Der Hauptzeuge Hilton "Pookee" Williams hat vor der Kamera über die Ereignisse vom Oktober 1987 geredet. Er berichtet nicht nur über den Tathergang, er kennt auch den Namen des wahren Mörders, den er 1996 bei seiner Aussage vor Gericht nicht preisgegeben hat. Heute denkt er anders darüber. Mit seiner und Frank Clays Hilfe ist es uns gelungen, den wahren Täter - Mark Dugen - zu finden und mit ihm zu sprechen. In einem zwanzigminütigem Gespräch, auf Tonband aufgezeichnet und vor Zeugen, hat Mark Dugen die Version Dieter Riechmanns vom Tathergang bestätigt und zugegeben, dass er bei einem missglückten Raubüberfall den tödlichen Schuss abgefeuert hat.
Mittlerweile sitzt Dieter fast 20 Jahre in der Todeszelle und hat die Hoffnung auf einen neuen Prozess dennoch nicht aufgegeben, denn ein solcher Justizirrtum kann nicht unaufgedeckt bleiben, sagt er selbst.
Mein Wunsch wäre es, ihn einmal treffen zu können, wenn er frei wäre und zurück nach Hamburg käme. Ihn einmal in meine Arme schließen und denken "wenigstens hat die amerikanische Justiz einmal etwas richtig gemacht..."
Mehr Infos und einen Link zu einer Petition gibt es unter "Sie können helfen".
Links zu Dieter:
http://www.dieter-riechmann.com/
http://www.ndrtv.de/weltspiegel/20030209/usa.html (mit Video)
http://www.serienkiller.net/sk3a.html
Troy James Clark

Troy Clark habe ich als zweites geschrieben. Ich habe extra nach jemandem in Texas gesucht, da es eben der Staat ist, der mich am meisten "anzieht", würde ich mal sagen. Er ist ein sehr einfühlsamer Mensch mit genau der richtigen Portion Humor dazu. Wenns nach ihm ginge, wär ich demnächst mit seinem Sohn verheiratet, hehe. Dabei habe ich bis jetzt nur mit ihm gechattet, aber mal sehen, wenn ich ihn nächstes Jahr vielleicht endlich mal treffe... (Scherzen muss sein, hm? ^___^)
Folgender Text stammt von Troy selbst und ich dachte mir, ich lasse ihn auf englisch, so wie er selbst ihn geschrieben hat.
"Hello. My name is Troy Clark. I have been on Texas Death Row since March 31st, 2000. It was a terrible shock to me because I’m INNOCENT! They handcuffed me with shackles and chains. They drug me away from my family. They took away my freedom! NOW they want to take away my life! WHY???
After all these years, that question still haunts me. WHY am I here?! WHY can’t I be free? WHY can’t I be with my family?! Oh God, I miss my kids so such! How can they do this to an innocent man?
I don’t know why, but I can tell you HOW they did it! I have so much I could say to you – NOW I understand that “JUSTICE IS BLIND!” Especially in TEXAS! NOW I know that JUSTICE is only for people who can afford to pay for it…
They took away my name, and gave me a “number”. They took away my home, my family, and threw me in this cell, all alone. But I’m not completely alone! The cruel, sadistic guards walk the run, they come in to tear apart my property, and with no reason! For any small “excuse” they will use tear gas, riot gas, and rush in on me – can you imagine??? No, you can’t imagine what it’s like to face five or six big, redneck guards with clubs and shields and steel-toe boots! They storm in the cell swinging clubs and spraying pepper gas in our faces – and for what?!? They’re going to kill us already, isn’t that enough?! WHY do they want to beat us down?! Maybe they enjoy it. Maybe they want to beat us to death. Some guys have died here in suspicious circumstances… It’s CRAZY!
What helps me make it through each day is thoughts of my family. Each day I look forward to mail call. Their smiles help keep me alive inside. I don’t want to die here like this. I want to go home! I want to be with my kids again, see their smiles, share their laughter and love.
I can’t do this all alone. I need help. I need help, and I would be happy to have you as a friend in this fight for my life! I need help to hire a good attorney. I need an attorney to fight for my life. My “Court Appointed” attorney didn’t care. He didn’t care if I live or die. He didn’t even care I am innocent! He was appointed just two weeks before my trial. Two weeks is not enough time, but he knew the witness changed her testimony several times, and he didn’t care! She said, “Mr. Clark was not home.” and she confessed to this crime! But she changed her story several times to save her life. She lied, and now I am here to die for her crime!
The “Court Appointed” attorney didn’t call any witnesses. He didn’t even get out of his chair to ask any questions! He and the DA (State Prosecutor) went to school together. They went fishing together. And they worked TOGETHER to send me to death row! I have to get my own attorney! Time is running out!
I don’t want to die here all alone! My Mom and some friends are trying to start a group of supporters. It’s still small, but you could help!
Every day here is like hell. It’s like living in a dungeon, locked away in this dark cell, with some crazy guy screaming or banging on the cell doors. I can see the guards come to take guys from deathwatch out in shackles and chains. Sometimes they have to carry them away… but they never bring them back. The food here is bad, the “recreation” is a joke! Our “outside” is just a pit surrounded by four walls and bars! I think a lot about my family, and I miss them so bad. The only “good” part of the day is the mail call! Hopefully tonight I’ll have a letter… but all too often the guard just walks past my cell. But if I get a letter it’s GREAT! Smiles keep me alive inside."
Für den kompletten Text schaut hier nach: http://users.skynet.be/gab/troy/text2006.htm
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